Theater-AG

 
 

„Dieses Stück ist mein Leben. Ich möchte es erzählen, ohne mich mit der Frage zu beschäftigen, ob es anständig, ,gesund‘, ,erwachsen‘... ist oder nicht. Unangenehme Themen wie z.B. Kindesmissbrauch (Aids, Ruanda, Genozide...) möchte unsere glatte und ruhige Welt verschweigen: Es stört unser künstliches Glück. Moderne Menschen mögen kein Drama. Keine Leidenschaft. Kein ,kindisches‘, kein ,destruktives‘ Verhalten. Leid hat keinen Platz in einer Gesellschaft, die ihre ,Verrückten‘ mit Medikamenten behandelt und die glaubt, Gesundheit sei mit dem Nichtvorhandensein von Schmerzen gleich. 

Ich aber wollte einen Platz für mein Leid. Je mehr Therapien ich absolvierte, (eine Familientherapie und eine Gesprächstherapie in Paris, eine zweite Gesprächstherapie in Heidelberg, 20 Versuche durch Erstgespräche eine weitere Therapie zu bekommen und unzählige Telefonate mit der so genannten Seelsorge) desto mehr musste ich die Kluft merken, die zwischen dem unerreichbaren Ideal der gesunden Patientin und der realen leidenden Frau besteht. Die leidende Frau wurde von Therapeuten ignoriert, höchstens anhand oberflächlichem Fachjargon analysiert. Hauptsache, man bringt das Leid zum Schweigen. Ich sollte z.B. trainieren, mich von ,destruktiven Partnern‘ zu trennen, deren Faszinationskraft auf mich aber ausgerechnet (d.h. emotional) über meine Kindheitstraumata berichtete. Es gab keinen Platz für meine echten Gefühle und damit keinen Zugang zu meinen verdrängten Erinnerungen, zur Wahrheit. Ich stand lange, lange Zeit allein vor dem Dilemma: entweder weiter in Illusionen zu leben oder die Liebe zu meinem Vater zu opfern. Die Wahrheit oder ihn. Ich habe mich für die Wahrheit entschieden und dieses Spiel ist mein erster ehrlicher Schrei.“

(Florence Landeda)

 

Schuljahr 2005/06


Theater AG des Irmgardis-gymnasiums Köln


Florénce Landeda: Die Wand des Schweigens